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Botanisch betrachtet…

Stevia ist eine Standort-wählerische mehrjährige Pflanze, die sich am wohlsten an einem sonnigen und warmen Ort mit viel Regen fühlt. Sie wird ganz natürlich im klassischen Zuchtverfahren durch Fremdbestäubung oder andere genetisch nicht modifizierte Verfahren angebaut. Am richtigen Standort angepflanzt, kann sich Stevia als winterfeste und nachhaltige Pflanze für kleinere und unabhängige landwirtschaftliche Anbaugemeinschaften erweisen.
Der wissenschaftliche Name von Stevia lautet Stevia rebaudiana Bertoni; sie gehört, wie die Sonnenblume, zur Familie der Korbblütler (Asteraceae) und wird hauptsächlich in Paraguay, Kenia, China und den Vereinigten Staaten angebaut. Mit zunehmender Nachfrage durch den Verbraucher wird Stevia seit kurzem u.a. auch in Vietnam, Brasilien, Indien, Argentinien und Kolumbien kultiviert.

Der Anbau von Stevia

stevia-farming-leavesLaut der Vereinten Nationen ist die Landwirtschaft auch heute noch größter Arbeitgeber überhaupt, denn sie gibt rund 40 % der Weltbevölkerung Arbeit.1 Dennoch sind seit Anfang des 20. Jahrhunderts ca. 75 % der Biodiversität bei Nutzpflanzen verloren gegangen und das, obwohl es gerade diese Biodiversität ist, die zu einer gesunden Ernährung, einem besserem Einkommen der landwirtschaftlichen Bevölkerung und nachhaltigen Anbauverfahren beiträgt.
Stevia konnte eine wichtige Rolle bei der Biodiversität spielen, denn sie benötigt wenig Anbaufläche und ermöglicht es dem Anbauer, seine Ertragskulturen zu diversifizieren. Anders als landwirtschaftliche Massenprodukte wird Stevia üblicherweise auf kleineren Flächen angebaut und erlaubt dem Anbauer so ein Zusatzeinkommen als Ergänzung zu den üblichen “kommerziellen” Saaten.

Teilweise auch, weil es über eine solch intensive Süße verfügt und ein Extrakt ist, benötigt Stevia nur ein Fünftel der Anbaufläche und viel weniger Wasser, um die gleiche Süße zu erzeugen, wie andere handelsübliche Süßungsmittel. Beispiel: Typisch für Kenia ist der Steviaanbau auf nur einem Drittel der verfügbaren Anbaufläche, während auf den verbleibenden zwei Dritteln andere Feldfrüchte angebaut werden.

Unter idealen Anbau- und Wachstumsbedingungen können die Pflanzer Stevia sogar mehrmals im Jahr ernten.

Die Stevia-Aufreinigung

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Steviafarm in Paraguay

Nach dem Ernten werden die Steviablätter getrocknet. Dann werden sie einem Reinigungsprozess unterzogen, auf den Extraktion, Filtration und Dehydrierung (Sprühtrocknung) folgen. Der Prozess erfolgt weltweit gemäß den behördlichen Vorgaben.

Zuerst werden die getrockneten Steviablätter gewässert, dabei geben die Blätter (ähnlich wie Tee seinen Geschmack) ihre süß schmeckenden Steviolglycosidbestandteile ins Wasser ab. Diese Flüssigkeit wird dann in einem nächsten Schritt gefiltert und vom darin enthaltenen Pflanzenmaterial separiert. Der Extrakt wird dann aufgereinigt und getrocknet, und man erhält den hochreinen Stevia-Blätterextrakt, der die gleichen Süßungsbestandteile enthält, wie sie in Steviablättern in freier Natur vorkommen. Diese Bestandteile, die Steviolglycoside, sind es, die Lebensmittel- und Getränkehersteller nun in ihren Produkten verwenden. Dieser Prozess der Glycosidreinigung verleiht Stevia, im Vergleich zum unbearbeiteten rohen Steviaextrakt, einen zuckerähnlicheren Geschmack. Wichtig zu wissen: Rohextrakte sind nicht für die Verwendung zugelassen. Es dieses Reinigungsverfahren, das die hochreinen Stevia-Extrakte ermöglicht und damit die Voraussetzungen für die Unbedenklichkeit und die Zulassung für die Verwendung in Lebensmitteln und Getränken durch die Zulassungsbehörden schafft.


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Die Nachhaltigkeit von Stevia

Zahlreiche umweltspezifische Vorteile von Stevia sind auf seine natürliche und konzentrierte Süße zurückzuführen. Weil es ein Extrakt ist, wird nur eine geringe Menge zum Süßen von Speisen benötigt, und weil nur eine geringe Menge benötigt wird, sind die Umweltfolgen, verursacht durch die Prozesse von Anbau bis zum Endprodukt, als gering einzuschätzen.

Stevia ist mit Hinsicht auf Größe der Anbaufläche, Wasser- und Energiebedarf wesentlich anspruchsloser als andere handelsübliche Süßungsmittel: Stevia braucht normalerweise nur ein Fünftel der Anbaufläche und noch viel weniger Wasser. Eine Studie aus dem Jahr 2013 zeigt, dass die CO2-Bilanz von Stevia um 79 % niedriger ist als die von Maissirup mit hohem Fruchtzuckergehalt (HFCS), um 55 % niedriger als die von Rübenzucker und um 29 % niedriger als die von Rohrzucker (Werte basieren auf dem industriellen Herstellungsstandard).2

In der gleichen Studie wurde auch der Wasserverbrauch für Stevia-Blätterextrakt analysiert – dabei wurden natürliche Niederschläge und künstliche Bewässerung berücksichtigt – und der Verbrauch lag bei Stevia um 96 % niedriger als bei Rohrzucker, um 94 % niedriger als bei Maissirup mit hohem Fruchtzuckergehalt und um 92 % niedriger als bei Rübenzucker – laut veröffentlichter Bezugswerte für den Wasserverbrauch (die Gegenüberstellung vergleicht die Süßungsmittel bei gleichem Süßeäquivalenten).

Mit Ihrer Entscheidung für die natürliche Süße von Stevia treffen Sie eine gesunde und gleichzeitig umweltfreundliche Wahl: Zwei gute Gründe, sich mit gutem Gewissen für dieses Süßungsmittel zu entscheiden.


REFERENCES

  1. United Nations Website, Food Security and Sustainable Agriculture. Retrieved October 16, 2014: http://www.un.org/en/sustainablefuture/food.asp
  2. Carbon Footprint, Water Footprint for stevia sweeteners reported in PureCircle 2020 Sustainability Goals, accessed August 2013